Elbatour 2013

Elba-Küstentour mit dem  Seekajak vom 01.06-08.06.2013!

Als Deutschland Anfang Juni im Regen versinkt, der Neckar über die Ufer tritt, machen wir uns zu unserer Vereinsausfahrt des Kanu-Club Marbach auf. Wir wollen zu siebt die Insel Elba im Seekajak umrunden.

Elba ist mit seiner 147 km langen Küstenlinie die drittgrößte Insel Italiens und liegt im kristallklaren Wasser des Thyrrhenischen Meeres. Die Landschaft ist vielfältig, herrliche Buchten wechseln sich ab mit Steilküste, die im Frühjahr üppig grüne Vegetation steht im Kontrast zum bergigen Hinterland.
Als wir in Portoferraio, der kleinen Hauptstadt der Insel von der Fähre gehen, reißt die Wolkendecke auf und die Sonne kommt zum Vorschein, T-Shirt-Wetter, sofort kommt Urlaubsstimmung auf. Vergessen sind die strapaziöse Anreise in der Nacht, die kühlen Temperaturen und die vielen Regenfälle der vergangenen Tage und Wochen.
Nach einem Großeinkauf im Supermarkt fahren wir über schmale, schlaglochübersäte Sträßchen zu unserem Startpunkt, dem Campingplatz Sole e Mare in dem kleinen Ort Nisporto. Wir sind die einzigen Gäste, es sind nur ein paar Meter zum kleinen Strand, wir können die Kajaks in aller Ruhe beladen.
Am nächsten Morgen stechen wir mit 5 Einer- und einem 2-er Faltkajak in See. Brigitte, Friedrich, Alfred, Christina und Ralf unser Tourguide im Einer, Christel und Peter im Zweier.
Doch nichts mehr zu sehen von der spiegelglatten Wasserfläche des vorigen Tages, Wellen von 1,30m, manche noch höher, erwarten uns. Mit vereinter Hilfe schaffen es alle über die Brandung hinweg, beim schwer beladenen Faltkajak müssen wir alle mit anpacken.
Wasser schwappt über die noch nicht ganz geschlossene Spritzdecke ins Boot, überspült den Bug. Wir tauchen hinunter in die Wellentäler, surfen auf den Wellenkämmen.  Das Kajak kippt bedrohlich, ich versuche die Balance zu halten, rufe mir noch mal die Einzelheiten des Kentertrainings im Marbacher Hallenbad in Erinnerung.
Kurzer Blick auf meine Mitpaddler, deren Köpfe und Paddel kurz auftauchen, um wieder im nächsten Wellental zu verschwinden. Alle noch da. Ich konzentriere mich nur auf die nächste Welle, lasse mich emportragen, keine Zeit für einen Blick auf die Küste.
Nach einiger Eingewöhnungszeit fängt es an Spaß zu machen und ich genieße das Surfen auf den Wellen.
Nach der Umrundung des Capo Vita, der Spitze von Elba, die dem Festland am nächsten liegt, kommt die Insel Palmajola in Sicht. Die Wellen beruhigen sich und wir steuern unseren ersten Biwakplatz an, den schwarzen Strand Direttore, dessen schwarzglänzender Glitzersand aus Hämatit uns noch über mehrere Tage an Kleidung und Gepäck begleiten wird.
Das Versprechen, dass es Fisch zum Abendessen geben wird lässt Ralf und Alfred nicht ruhen, sie steuern mit ihren Kajaks und den Angelruten die 5 km entfernte Insel Palmajola an.
Wir anderen müssen uns erst mal von den noch ungewohnten Strapazen des Tages erholen, bauen müde unsere Zelte auf und errichten aus Strandmobiliar Sitzgelegenheiten.
Als die 2 Angler ohne Fische zurückkehren wird uns erst mal  Anglerlatein aufgetischt; der Riesenfisch am Haken, das Entgleiten, der Griff ins Leere, die Kenterung des Kajaks. Aber halt, alles ist digital dokumentiert, da wird doch tatsächlich ein stattlicher Barrakuda von ca. 1m Länge in die Kamera gehoben. Schade, nun müssen wir doch auf die Spaghetti zurückgreifen.
Es sollte über die ganze Reise hinweg der einzige Angelerfolg bleiben. Der Blick in die Tiefe des kristallklaren Meeres zeigte ein enttäuschend leeres Gewässer, allenfalls waren mal beim Schnorcheln ein paar kleinere Fischchen zu sehen. Ob die überall anzutreffenden schnorchelnden Harpunierer nicht auch mit dafür verantwortlich sind?
Das Campen an einsamen Stränden gehört mit zu den Highlights der Tour. Die Zivilisation mit ihren Lichtern und dem Lärm liegt hinter uns, der unendliche Sternenhimmel mit der Milchstraße breitet sich über uns aus und Myriaden von Glühwürmchen im Gebüsch strengen sich an, dagegen anzustrahlen.
Am nächsten Tag schimmert das Wasser in allen Schattierungen von blau und grün, gleichmäßig ziehen unsere Paddel durchs ruhige Wasser.
Wir kaufen diesmal den Fisch in Porto Azzuro, einem mondänen, trubeligen Hafenstädtchen und paddeln weiter zu Punta Rossa, um dort zu biwakieren.
Vielleicht liegt es am magnetischen Gestein des Strandes, dass wir keinen Handyempfang haben und uns diesmal nicht auf www.windfinder.com über Windstärke und Wellenhöhe des nächsten Tages informieren können. Auch über das Ergebnis des Pokalendspiels können wir nun erst mal nur spekulieren.
Die Angst vor einem Wetterumschwung ist unbegründet, der nächste Tag ist sonnig und heiß, träge ziehen die Paddel durchs Wasser. Gerne nehmen wir immer mal wieder einen Cappuccino in einer Strandbar ein, halten eine Nachmittagssiesta an einem einladenden Strand und nehmen ein erfrischendes Bad im noch zu kühlen Mittelmeer.
Wir paddeln weiter dicht an der zerklüfteten Küste entlang, an rostigen Förderanlagen und verfallenen Minengebäuden vorbei. Diese Region war bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts das Zentrum des Erzbergbaus. Wir durchqueren den wunderschönen Golfo di Stella, einen der malerischsten Küstenabschnitte der Insel und steuern in Lacona einen Campingplatz an. Unsere salzverkrustete Haut erfreut sich an einer warmen Dusche, das Strandrestaurant wartet mit kulinarischen Genüssen auf.
Am folgenden Tag frischt der Wind auf. Bei Windstärke 4 und Wind von achtern haben wir mit kabbeliger See zu kämpfen. Teilweise kommt der Wind in Böen und wir sind alle froh, als wir unseren Biwakplatz, den Strand Le Tombe erreichen und unsere Zelte auf einem weichen Lager aus Seegras errichten können. Der Abend klingt bei einem perfekten Lagerfeuer aus.
Am nächsten Morgen erreichen wir recht früh Pomonte. Nahe des Strandes liegt in geringer Tiefe das Wrack eines Frachters, ein lohnendes Schnorchelziel. Leider ist den meisten das Wasser noch zu kalt um daran länger Gefallen zu finden.
War das Meer morgens noch spiegelglatt, frischt der Wind nach unserem 2ten Frühstück in Pomonte wieder auf. Bei leichtem Gegenwind erreichen wir St. Andrea, wo wir uns mit einer Pizza in einer Strandbar stärken und die wunderschöne friedliche Szenerie genießen.
Auch die beste Eisdiele der Insel in Marciana Marina lassen wir nicht links liegen.
Hoher Wellengang erschwert unsere letzte Passage. Begleitet von leicht böigem Wind und kabbeliger See erreichen wir etwas erschöpft unser heutiges Biwak an der Spiaggia Lamaia.
Der letzte Paddeltag zeigt sich von seiner schönsten Seite. Heiß und sonnig, bei spiegelglattem Meer umrunden wir die Halbinsel Enfola, der weiße Strand von Sansone lädt uns noch zu einem erfrischenden Bad ein. Ralf taucht vom Schnorcheln mit einem kleinen Kraken am Arm wieder auf. Nachdem er schnell von allen bestaunt wird, entlassen wir den kleinen Kerl wieder in die Freiheit. Schnell düst er davon.
An der zunehmenden Villendichte erkennen wir, dass wir uns Portoferraio nähern. Wir umrunden das Capo Bianco und paddeln an den mächtigen Stadtmauern der Medici-Bastionen vorbei.
Der rege Fährverkehr stellt uns vor die Herausforderung, wie die große Bucht am besten zu queren ist. Wir entscheiden uns gegen die direkte Querung, die im nachhinein die bessere Option gewesen wäre und tasten uns über den Yachthafen Richtung Fähranleger vor. Das ruft recht schnell die Hafenpolizei auf den Plan, so dass wir den Rest der Hafendurchquerung unter Polizeischutz zurücklegen. Das Kielwasser der Fähren gleitet sanft unter unseren Kajaks durch bis wir die Bucht verlassen und kurze Zeit später unseren Ausgangs- und Zielpunkt Nisporto anlaufen.
Auch das Landesinnere hat einiges zu bieten. Am nächsten Tag erklimmen wir Elbas höchsten Berg, den 1018 m hohen Monte Capane. Die Sportler unter uns wählen den anstrengenden Aufstieg über den Klettersteig, die anderen lassen sich bequem mit der Seilbahn nach oben befördern. Die Fahrt mit der Seilbahn, deren Körbe an oben offene Vogelkäfige erinnern, ist ein besonderes Erlebnis, lautlos schweben wir nach oben. Unter uns gleiten die Eßkastanienwälder hinweg, bis die dichte Vegetation von erodiertem Granitgestein abgelöst wird. Der 360 Grad Panoramablick vom Gipfel ist an klaren Tagen bestimmt überwältigend, leider ist es heute etwas diesig. Trotzdem schweift der Blick über die kleineren Inseln des Toskanischen Archipels hinweg bis zur Küste des Festlandes. Am Horizont erhebt sich Korsika mit seinen hohen Gipfeln.
Auch das malerische Bergdorf Rio Nell` Elba liegt auf unserer Tour. Die eng stehenden Häuschen mit den liebevollen Details, die schmalen Gässchen und kleine Plätze laden zu Erkundungstouren ein.
Den letzten Tag nutzen einige noch zu kurzen Paddeltouren ohne Gepäck. Wir bestaunen dreifarbige Klippen, lassen uns von Lichtspielen in kleinen Grotten bezaubern, in die man mit dem Kajak einfahren kann. Endlich hat auch das Meer akzeptable Badetemperaturen erreicht, so dass einer ausgiebigen Schnorcheltour im türkisfarbenen Wasser nun nichts mehr im Wege steht.
Nach 9 Tagen und 131 gepaddelten Küstenkilometern nehmen wir Abschied von dieser schönen Insel und planen schon mal die nächste Reise mit dem Seekajak; vielleicht Sardinien…?

Christina M.