Donaufahrt 2017

Auf der Donau von Ungarn nach Rumänien.  

Marbacher Kanuten paddeln durch das eiserne Tor. Im Mai 2017 starteten 10 Kanuten des Marbacher KCM zur Vollgepäckstour nach Ungarn

 

 In „Solt“, 100 km südlich von Budapest am linken Ufer der Donau bot sich der beste Start für die 610 km lange Paddeltour.

Im „Museums-Pferdehof“ mit Pension ließen wir für drei Wochen, eingezäunt und überwacht, unsere Autos stehen.

Perfekt ausgerüstet mit allem, was man für drei Wochen Biwak an unbekannten Ufern braucht, starteten wir bei herrlichem Sonnenwetter.

Nach 35 km der ersten Etappe genossen wir ein erfrischendes Bad in der Donau und einen leckeren Eintopf am Abend.

Bei zunehmender Hitze und eingetretenen Gesundheitsproblemen erwies sich unser Begleit-Bus mit Bootsanhänger als wichtiger Helfer in der Not. Wanderwart und Fahrtenleiter Helmut Klein orderte die Übernachtungsplätze in der Nähe eines Dorfes, ab und zu mal ein Campingplatz oder Wassersportverein.

Einkauf von Wasservorräten und Lebensmittel waren wichtig und auch möglich. Hygiene und Toilette boten Fluss und Natur, ab und zu genossen wir den Luxus einer sanitären Anlage. Manchmal gab es in einfachen Restaurants Möglichkeit zur Einkehr, in der Regel kochten wir selbst.

Nach 115 km erreichten wir Mohács, Ungarn, Außengrenze der EU. Das Anlegen in starken Wellen, ebenso die Grenzformalitäten, erwiesen sich als recht schwierig. Selten passieren Touristen, dazu noch im Kajaks, die Grenze zu Wasser. Ausgenommen Flusskreuzfahrtschiffe, denen hohe Anlegedocks zur Verfügung stehen.

An der serbischen Grenze bei Bezdan, 25 km weiter, bezahlten wir pro Kajak 60 €, es wurden insgesamt 160 DIN A4 Seiten über unsere Personalien erstellt und wir waren einen Tag und eine Nacht überwacht, bevor wir uns am fünften Paddeltag Richtung Apatin aufmachten. Es folgte ein schwüler Regen- und Gewittertag, dann wieder Hitze.

In Bačko Novo Selo wurden wir von der Wirtin eines bescheidenen Restaurants mit einer leckeren Fischsuppe und einem Fischgericht vom Feinsten verköstigt.

Nach 321 km landeten wir am Pfingstsonntag ins Sremski Karlovici, einem berühmten serbischen Weinort, an.

Nach weiteren 74 km und inzwischen 11 Paddeltagen erreichten wir Belgrad und übernachteten auf einem kleinen, originellen, schwimmenden Hotel. Leider bliebe uns nicht viel Zeit, um Belgrad näher zu besichtigen. Der 12. Paddeltag führte uns nach Ritopek, wo uns „Ivan“, der freundliche Fischer, in seinem Garten am Fischerhäuschen selten ließ. Es war Kirschenzeit und zahlreiche Kisten mit herrlichen-dunklen großen Kirschen wurden von Erntehelfern auf Lastwagen verladen. Der nächste Tag führte uns nach Smederevo, der ehemaligen Hauptstadt Serbiens mit der größten flächendeckenden Burg im europäischen Raum.

Äußerst freundlich empfing uns „Alex“, Vorstand des örtlichen Kanu- und Segelsportvereins. Er organisierte eine Runde Hähnchen für uns Hungrige und bot uns Wiese und Sanitäreinrichtung für eine komfortable Übernachtung.

Am 16. Paddeltag nach 523 km erreichten wir die berühmte Burg „Gdupa“ - Eingang der Donau ins insgesamt 150 km lange „Eiserne Tor“.

Am linken (rumänischem) Ufer erheben sich die steilen Abhänge der rumänischen Südkarpaten, am rechten Ufer beeindrucken die mächtigen Felswände des serbischen Erzgebirges. Die Donau fließt als Grenzfluss ab Mohács (Ungarn) zwischen Kroatien, Serbien, Rumänien und Bulgarien.

Wir hielten uns auf der serbischen Seite und paddelten durch einen überaus spannenden Abschnitt des Eisernen Tores. Bereits der römische Kaiser Trajan baute einen Weg an den Felsen entlang um in das Reich der Daker einzudringen und gegen deren König Decebal zu kämpfen. Heute (ab 1964) ist die Donau um 40 m höher angestaut durch die beiden Kraftwerke Djerdap 1 und Djerdap 2 (Einweihung 1984). Davor muss die Donau ein gefürchteter, reißender Fluss mit großen Stromschnellen und gefährlichen Felsriegeln gewesen sein.

Die prähistorischen und römischen Funde wurden abgebaut und 20.000 Menschen umgesiedelt um die Donau um 40 m zu erhöhen. Heute zwängt sie sich - mal nur 120 m schmal, dann wieder 1000 m breit bei einer Tiefe von 80 m in so genannten Klisuren (Kesseln) durch die Enge des eisernen Tores. Es war ein komisches Gefühl, unter unseren Booten Dörfer und Eisenbahnschienen zu wissen, doch wir blieben an keinem Kirchturm hängen.

In den „Klisuren“-Kesseln kämpften wir mit Böen bis zu Windstärke 7 und sehr hohen Wellen von hinten, was uns den Bruch von zwei Steuerrudern bescherte. Nach unserer letzten Übernachtung auf der serbischen Seite in Tekija luden wir die Boote auf den Anhänger und fuhren in zwei Touren über das erste große Stauwerk Djerdap 1 auf die rumänische Seite nach Orsovar.

610 km Donau mit vielen spannenden Erlebnissen lagen hinter uns.

Mit einem Sightseeing Touristen-Motorboot besichtigten wir noch einmal die Höhlen und das steinerne Gesicht König Decebal‘s, die eindrucksvollen Felsen des Balkangebirge. Noch zwei Nächte in Orșovar, schwimmen im Pool, ausruhen, genießen, dann die Rückfahrt nach Solt in Ungarn zum Pferdehof, wo unsere Autos auf uns warteten. Am nächsten Tag traten wir die Heimreise an, mit unvergesslichen Eindrücken einer herrlichen Donau und ihren Ufern.

 

Barbara Klein

Kanu-Club Marbach e.V.

(Es wäre schön, wenn Helmut Klein diesen wunderbar geschriebenen Bericht mit Fotos aus seinem streng gehüteten Bilderschatz ergänzen würde!)