Zwei Abende für die Sicherheit auf dem Meer! 

Fluß ist schön, doch Meer ist mehr
Immer öfter sind Marbacher Kanuten auf Großer Fahrt. Da sollte man über dies „Meer“ auch „mehr“ wissen ...

.. und möglichst auch ein paar wichtige, praktische Übungen erfolgreich absolviert haben. Für die Befahrung von Großgewässern – der Bodensee, unser Schwäbisches Meer zählt immerhin auch schon dazu – oder auch die Küstenbereiche - braucht es also mehr als „nur“ Flußfahrer-Kenntnisse.

Am 2 Samstagen im Januar hatten die Marbacher Kanuten im Rahmen ihres Wintertrainings im Marbacher Hallenbad nun wieder die Gelegenheit von einem versierten Seekajakfahrer aus erster Hand Informationen über seinen maritimen Freizeitsport und fachkundige Anleitung zu bekommen: Zu Gast beim Kanu-Club Marbach, vermittelt durch die Vereinsmitglieder Christa und Jürgen H. war Herr Theo van der Kuil, Referent und Übungsleiter von der Salzwasser Union e.V. (SaU), des Verbandes der Deutschen Seekajakfahrer e.V.

Ein „mit allen Wassern Gewaschener“ informierte aus seinem jahrzehntelangen Erfahrungsschatz als Seekajakfahrer. Er zeigte zuerst einmal die wesentlichen Unterschiede von Touren auf Binnengewässern und Großgewässern auf. Nautische Kenntnisse, also der richtige Einsatz von Seekarte und Kompass, sowie GPS-Nutzung zur Kurs- und Positionsbestimmung sind besonders auf der Nordsee notwendig. Wenige Kilometer außerhalb des Watts lassen sich oft keine Landmarken (Leuchttürme, Häuser, Deichanlagen) mehr erkennen. In dieser Weite muß sich der Paddler unbedingt auf seine nautischen Kenntnisse stützen können. Entlang an Felsküsten und Bergketten ist – bei klarem Wetter – die Orientierung selbstverständlich leichter. Jedoch sind hier Winde, Wellen und Strömungen häufig sehr tückisch, und im Falle einer Kenterung ist schnellstmögliche Hilfe durch den oder die begleitenden Kameraden um wieder ins Boot zu kommen angesagt. Daß der unfreiwillige Schwimmer dann auch von einer hochseetauglichen Schwimmweste mit über Wasser gehalten wird, ist ebenso klar wie die jederzeit griffbereiten Signal-Utensilien Trillerpfeife, Notsignal, Blinklicht und Signalpistole. Im Kenterfall bei schwierigen Sichtverhältnissen kann man sich oft nur so  bei den Begleitern bemerkbar machen!

Aber als wichtigstem Ausrüstungsteil steht und fällt alles mit der Auswahl des richtigen Bootes:

Für entsprechende Unternehmungen auf offenen Gewässern gibt es Seekajaks mit ihren speziellen Konstruktionsmerkmalen. Flach von der Seite, jedoch langgestreckt mit einem tiefenverstellbaren Schwert, dem Skeg, ergibt dies zusammen bei geringer Seitenwindanfälligkeit eine gute Kursstabilität.
Mindestens zwei, besser drei Schotts, also wasserdicht verschließbare Bereiche sind wichtiger Stauraum für Ausrüstung, Ersatzkleidung und Verpflegung. Sie sind aber auch lebensrettende Auftriebskörper nach einer Kenterung. Eine im Cockpit fest eingebaute Lenzpumpe gehört idealerweise ebenfalls dazu. Weitere und wichtige Rettungseinrichtungen sind eine stabil installierte, feste, um das Boot laufende Halteleine sowie an Bug und Heck je ein Toggle, ein nach allen Seiten drehfähiger Haltegriff. Nach einer Kenterung kann und muß der Schwimmende sofort nach diesen Halteeinrichtungen greifen, denn Wind, Wellen und Strömung trennen ihn sonst in kürzester Zeit von seinem Boot!

Ebenso muß ein Ersatzpaddel am Oberdeck immer schnell zu erreichen sein. Daß aber jedes Paddel im Einsatz vor Verlust mit einer kräftigen und flexiblen Gummileine auch am Boot befestigt ist, gehört ebenso dazu wie eine dem Wetter und der Wassertemperatur angepasste Bekleidung von Kopf bis Fuß. Einen stets trockenen Sitzplatz garantiert die fest sitzende Spritzdecke, jedoch immer mit außenliegender Griffschlaufe zum schnellen und sicheren Öffnen unter Wasser nach einer Kenterung.

Damit auch die Leistungsfähigkeit des Paddlers nicht durch Dehydrierung gemindert wird, ist eine gut gesicherte, aber schnell und einfach zu erreichende Wasserflasche ebenso wichtig!

Mit all dem Grundwissen ausgestattet, mit den wichtigsten Handgriffen und Abläufen zur Hilfe und Rettung auf Großgewässern vertraut gemacht und eingeübt, wurden diese ergiebigen Samstage der beteiligten Kanuclub-Mitglieder mit einem herzlichen Dank an den Referenten und Übungsleiter Theo van der Kuil beendet.

Mit diesen Kenntnissen und Fähigkeiten können die Marbacher Kanuten die Umrundung von Mittelmeerinseln oder Wanderfahrten entlang landschaftlich interessanter Küstenabschnitte wesentlich entspannter angehen! Vielleicht klappt es dies Jahr endlich, die Einladung eines russischen Paddelkameraden zu einer Küstenbefahrung des Weißen Meeres hoch im Norden anzunehmen! -
Schau’n wir ’mal …
Reinhard Lange, Pressewart KCM