Oderfahrt 2013

Eine landschaftlich schöne, ruhige Tour an der Ostgrenze Deutschlands im kleinen Team!

 

Oderfahrt 2013

 Von Reiner Menzel

Hinweis: Den Routenführer von Ratzdorf bis Schwedt können Sie beim Wanderwart des MKC anfordern.

 

Das Trockendock hatten wir schnell gefunden, ein riesen großes Gelände, wir hatten uns für Nachmittag angemeldet aber niemand da. Besichtigung, ja hier auf der Wiese könnten wir uns ausbreiten. Da hinten zwei lange barackenähnlichen Gebäude, dort am alten Speicher der Steg. Ruderclub stand an einem dran, wir umrundeten das andere, tatsächlich ganz klein SG Aufbau Eisenhüttenstadt. Wir bringen die Boote gleich zu einer Probefahrt zum Steg ab und bauen uns auf der Wiese auf. Kaum sind wir fertig, hält schon ein großer Polizeiwagen neben uns an. Ein kräftiger, mittelgroßer Typ steigt aus! Er hätte vom anderen Ufer die Boote gesehen. Oh je, was habe wir nun wieder falsch gemacht? Ob wir vom KCM Marbach wären, fragt er. Na klar, sage ich. Ich bin der Peter, schönen guten Tag und willkommen bei uns im Club. Plumps macht es, der ist ja von SG Aufbau, na Gott sei Dank. Mit den Bootshausschlüsseln bewaffnet zeigt er uns die Räumlichkeiten. Als erstes erkennen wir einen Ruderachter, ja was denn nun, seid ihr nun Paddler oder—nee nee, wir fahren vorwärts, den haben uns die anderen hier reingehängt weil sie keinen Platz mehr haben. Wir verabreden uns für den Abend, machen eine Probefahrt zu der riesenhaften Schleuse, 15 Meter hohe Wände. Auf der Rückfahrt entdecken wir in den Uferstreifen des Altoderarmes einige Biber, die in der einsetzenden Dämmerung das Wasser pflügen. Später erfahren wir, dass Peter bei der Wasserschutzpolizei tätig ist. Er bringt uns am nächsten Morgen nach Ratzdorf zum 1. Einsetzpunkt und stellt unser Auto am Bootshaus wieder ab.

   Herrliches Wetter, die Oder strömt mit sieben km/h, Wind von hinten mit unseren 4-5 km/h wären wir schon in zwei Stunden zurück am Trockendock, das im 2. Weltkrieg als Schnellboothafen diente. Die manchmal 100 Meter langen in die Oder hineinragenden Buhnen laden zum Baden ein, inzwischen ist es Mittag und wir wollen anlanden, natürlich im Kehrwasser, das war richtig wie wir feststellen, denn vor der Buhne steht ein starker Wirbel, der ein Boot schnell auf das steinige Ufer drückt. Vorsichtig schwimmen wir von der Buhnenspitze in den Strom, der uns mit Urgewalt erfasst und stromabwärts reißt. Nerven behalten, nie gegen den Strom anschwimmen und richtig, die Verwirbelung hinter der Buhne zieht uns 100 Meter weiter wieder an Land und wir können im Kehrwasser zurückschwimmen. Wir haben nun Zeit uns mal richtig umzuschauen und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Bis auf den mäßig gebändigten Fluss - Natur pur, überall liegt angeschwemmtes Holz, üppiges Gras wuchert unverschnitten, Insekten schwirren, Käfer krabbeln, Libellen machen Hochzeit, Baumstämme liegen herum und in den Wassertümpeln der breiten Flussauen tummelt sich alles was fliegen kann. Am anderen Ufer ein paar Rinder und Pferde, die scheinbar frei herumlaufen, Zäune oder Gatter sind nirgends zu sehen. Dieses Paradies verdanken wir der sog. Deutsch-Polnischen Freundschaft, von den Sowjets verordnet, aber die gingen sich nach dem Krieg aus dem Wege, deshalb hat sich diese außerordentliche Naturlandschaft inmitten unserer zubetonierten Welt erhalten.

   Peter hat uns die Tel. Nummer des Schleusenwärters gegeben und wir kommen aus dem Staunen nicht heraus, 20.000 Kubikmeter Wasser wollen die für unsere paar Bötchen den Fluss runterlassen, aber es gibt hier keine Umtrage-Möglichkeit und wie wir hören handelt es sich um eine Doppelkammerschleuse – ja was ist denn das? Das Wasser wird aus der vollen Kammer in die Leere umgeleitet und das dauert – und dauert bis der Wasserstand ausgeglichen ist. Nun endlich nach einer dreiviertel Stunde lässt man das restliche Wasser raus und wir dürfen weiterfahren. Die Oder hat auf ihrem gesamten Verlauf keine Hindernisse, aber diesmal ist unser Kanuclub in den Altodergewässern und bis nach Schwedt gibt es nur noch eine weitere Schleuse um wieder in die Oderbrüche zu kommen. Hier tut sich ein riesiges Paddelrevier bis nach Berlin auf, um es zu erforschen benötigt man wohl ein halbes Paddler-Leben.

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